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Gelebte Integration in der Feuerwehr

 15.02.2016 - Bredstedt

Musa Mustafa wohnt nur wenige Schritte vom Bredstedter Feuerwehrhaus entfernt. Wenn über den „Pieper“ Alarm ausgelöst wird, ist der 41-Jährige oft der erste am Gerätehaus und kann sofort mit ausrücken. „Damit stärkt Musa unsere Tagesverfügbarkeit erheblich“, sagt Wehrführer Kai Lorenzen. Denn im Ernstfall geht es bekanntlich nicht nur um Sekunden, sondern auch um jede helfende Hand. 70 aktive Mitglieder hat die Freiwillige Feuerwehr Bredstedt zurzeit und 28 Jungen und Mädchen in der Jugendabteilung.

Noch ist Musa Mustafa, der im vergangenen Sommer mit seiner Familie aus dem Kosovo flüchtete, kein „fertiger“ Feuerwehrmann, sondern Anwärter. Aber er lernt täglich dazu. Und sobald seine Deutschkenntnisse ausreichen, soll er mit der Truppmann-Ausbildung beginnen. Nächstes Jahr im Frühjahr sei es soweit, so Kai Lorenzen.

Trotzdem hat er schon jetzt seinen festen Platz in der Truppe. „Weil Musa keine Angst vor der Höhe hat, haben wir ihm dem Drehleiter-Team zugeteilt.“ Sehr zur Freude von Gruppenführer Heiko Borchers, der den zweifachen Familienvater als engagierten Aktiven kennen- und schätzen gelernt hat. Denn wenn jemand ernsthaft helfen will, im Einsatz das Geschehen mit offenen Augen verfolgt und beherzt zupackt, wo es etwas zu tun gibt, spielen Sprachprobleme in der Bilanz keine bedeutende Rolle mehr.

 

Wobei Musa auch in diesem Punkt sehr zielstrebig ist: „Gemeinsam mit meiner Frau besuche ich einen Deutschkurs hier in Bredstedt“, sagt er und berichtet von diversen Praktika, die beide seit ihrer Ankunft schon absolviert haben: „Rifadijel hat im Altenheim und in der Kleiderkammer gearbeitet. Ich war schon auf dem Bauhof und bei einem Unternehmen in Bordelum. Außerdem helfe ich ehrenamtlich bei der Tafel in Bredstedt. Und ich spiele Volleyball“, zählt er stolz seine Aktivitäten auf.

„Besser kann Integration nicht funktionieren“, meint auch der stellvertretende Wehrführer Kurt Viertel, der gerne noch mehr Asylbewerber in den Reihen der Feuerwehr sehen würde, denn gerade sie wollen gerne etwas tun und erreichen, wollen raus aus der Isolation, unter Menschen kommen, Freunde finden und einer sinnvollen Tätigkeit nachgehen. Dabei hat Musa Mustafa eher zufällig den Weg zur Freiwilligen Feuerwehr gefunden, denn eigentlich wollte er nur seinen Sohn Albert (10) bei der Jugendtruppe anmelden. Auf die Frage „Sag’ mal, willst Du selbst nicht auch bei uns mitmachen?“ habe der Vater nur kurz überlegt und dann zugestimmt, berichtet Kai Lorenzen.

Und nachdem sich der Wehrführer bei Bürgermeister Knut Jessen rückversichert hatte, dass der Asylbewerber alle für die Mitgliedschaft notwendigen Voraussetzungen mitbringt – dazu gehört, dass er als Bürger der Stadt Bredstedt anerkannt sein muss, um im Feuerwehrdienst auch versichert zu sein – wurde Musa Mustafa eingekleidet und zum Dienst bestellt.

Eine Entscheidung, die bisher keiner bereut hat, auch weil so Vater und Sohn ein gemeinsames Hobby für sich entdeckt haben und nun viel zusammen unternehmen und erleben können. Noch muss der kleine Albert, der vor allem durch das Zusammensein mit Schulfreunden sehr schnell und sehr gut Deutsch gelernt hat, manchmal als Übersetzer tätig werden. Bei dem Engagement ist es aber nur eine Frage der Zeit, bis sein Vater auch ohne Hilfe klar kommt. Und wenn Alberts kleine Schwester in ein paar Jahren alt genug ist, will Albert die jetzt Siebenjährige auch für die Jugendfeuerwehr begeistern. „Wir lieben Bredstedt, wir wollen hier bleiben“, betonen beide und bedanken sich herzlich „bei den vielen netten Leuten, die sich hier um uns kümmern“.

Quelle: Silke Schlüter SHZ

 

 

 

Sonntag, 22. Oktober 2017